Brückenschlag bei der ITS Austria Konferenz 2014

01.10.2014

Die ITS Austria Konferenz stand 2014 unter dem Motto „Bridging Boundaries“. Schon das englischsprachige Konferenzmotto gibt einen ersten Hinweis auf die Schwerpunkte und deren stark internationale Ausrichtung. Folgerichtig wurde ein Großteil der ITS Austria Konferenz auf Englisch abgehalten, um dem internationalen Brückenschlag Rechnung zu tragen.

Der erste Tag war geprägt von interessanten und abwechslungsreichen Vorträgen und Diskussionen. Die Eingangsstatements beleuchteten den nationalen Rahmen im Bereich der intelligenten Verkehrssysteme aus Sicht der ITS Austria Plattform, des bmvit und der drei Plattformen ÖVG, GSV und ATTC. Einig waren sich alle SprecherInnen darin, dass die NutzerInnen noch mehr in den Mittelpunkt aller Bemühungen rücken müssen. „Am Ende des Tages sind wir dann erfolgreich, wenn die Mobilitätsservices von den KundInnen genutzt und geschätzt werden“, unterstreicht Josef Fiala, Vorsitzender der ITS Austria die Bemühungen dahingehend. Die Erfolgsbeispiele Österreichs spiegeln sich nicht nur in der hohen Forschungsleistung in diesem Nischensektor wider, sondern auch an Erfolgsprojekten wie der VAO und den nationalen Bemühungen mit Forschungsprogrammen die österreichischen Kompetenzen zu bündeln und international sichtbar zu machen. Danach wurde erstmals die erste Überarbeitung des im Jahr 2011 als Anhang des österreichischen IVS-Aktionsplans veröffentlichten Maßnahmenkatalogs vorgestellt. Mit konkreten Umsetzungserfolgen in 80% aller bei der Erstveröffentlichung definierten Maßnahmen war es an der Zeit, aktualisierte Strategien im Bereich IVS zu formulieren. Entsprechend seiner Konzeption als lebendiges Dokument beinhaltet der Maßnahmenkatalog 2014 jene Thematiken, die bis 2017 durch die öffentliche Hand stimuliert werden müssen, um die positiven Entwicklungen im Bereich IVS in Österreich fortführen zu können.

Zu den namhaften Vortragenden aus Österreich gesellte sich ein breites Feld an internationalen SprecherInnen und BesucherInnen, das sich insbesondere aus den Nachbarländern Österreichs zusammensetzte. Mit Julie Raffaillac war auch eine Vertreterin der Europäischen Kommission anwesend. Sie betonte einmal mehr das Potenzial intelligenter Verkehrssysteme im Hinblick auf eine – auch grenzüberschreitend – verbesserte Nutzung bestehender Verkehrsinfrastruktur. Auf nationaler Ebene gäbe es zwar viele etablierte Lösungen, in europäischem Kontext seien IVS aber nach wie vor stark fragmentiert und damit weniger kosteneffizient als es möglich wäre. Als Maßnahmen von Seiten der Kommission nannte sie die Veröffentlichung weiterer Spezifikationen in Ergänzung zur europäischen IVS-Richtlinie wie auch einen Relaunch der Richtlinie selbst und des Weißbuchs Verkehr. Um grenzüberschreitende Innovationen im Bereich IVS anzuregen, steht mit der Connecting Europe Facility (CEF) mit einem Gesamtvolumen von etwa 27 Mrd. Euro im Bereich Verkehr und Transport ein geeignetes Förderinstrument bereit.

 

Unterstützt wurde der transnationale Ansatz unter anderem von Franc Žepič, Koordinator der Priority Area 1B der Danube Region Strategy, und Roman Srp, Chair des Network of National ITS Associations. Es könne nicht nur Aktivitäten eines Unternehmens, eines Landes oder einer Region geben, vielmehr gelte es, bestehende wie auch zukünftige Lösungen europaweit in Einklang zu bringen. Gleichzeitig sei es aber von entscheidender Bedeutung, die unterschiedlichen Entwicklungsstadien und -geschwindigkeiten der Staaten und Regionen zu berücksichtigen. Als Hindernisse wurden unzureichende Kompetenz bei Forschung und Entwicklung sowie ineffiziente und langsame Förderinstrumente genannt. Forschungs- und Förderinstrumente müssen weiterentwickelt und ausgebaut werden. Dies führe zu einer geringen Investitionsbereitschaft und von da an in einen Teufelskreis. Die aktuell wichtigsten Themen seien darum die öffentliche Beschaffung, flexible Förderinstrumente und geeignete Geschäftsmodelle. Nicht profitorientierten Stakeholdern wie der ITS Austria Plattform, die gleichzeitig eine Nähe zu Industrie, Behörden und Interessenvertretungen aufweisen, komme daher eine Schlüsselrolle bei künftigen Aktivitäten und Prozessen zu.

Aufbauend auf den grenzüberschreitenden Initiativen EDITS und CROCODILE sowie der Danube Region Strategy stand der zweite Tag mit seinen drei Workshops ganz im Zeichen des transnationalen Brückenschlags.

 

Im ersten Workshop wurde das Projekt EDITS in den Mittelpunkt der Diskussionen gestellt. Projektpartner und andere ExpertInnen waren sich einig, dass der grenzüberschreitende Datenaustausch in Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen wird und dabei die Qualität der Daten entscheidend für die Akzeptanz der NutzerInnen ist. Der EDITS Ansatz zur Thematik von grenzüberschreitenden Verkehrsinformationsdiensten wurde von den Stakeholdern als praktikabler und sinnvoller Ansatz bewertet. Hierbei wurden Ticketing und Buchungsservices als mögliche Erweiterung des Systems sowie die Integration von weiteren Datenquellen und Partnern als nächste Schritte diskutiert. Auch für die Vermarktung der jeweiligen Services besteht noch weiteres Potential um mehr NutzerInnen zu erreichen: vor allem touristische Informationen könnten die generierten Services in Zukunft weiter aufwerten. Entscheidend sei aber die Bereitschaft aller Stakeholder, die Daten zu teilen.

Der zweite Workshop thematisierte die Umsetzung der EU IVS-Richtlinie im Hinblick auf die Einrichtung von unparteiischen nationalen Stellen und nationalen Zugangspunkten für Verkehrsdaten sowie die Verfügbarkeit derartiger Daten. In Form eines World Cafés diskutierten Stakeholder aus Polen, Rumänien, Ungarn, Tschechien, Kroatien und Österreich ihre jeweiligen Zugänge zu diesen drei Themen. Trotz legislativer und organisatorischer Unterschiede in den betreffenden Staaten offenbarten sich in den Diskussionen zahlreiche Gemeinsamkeiten in den bisherigen und geplanten Aktivitäten. Dadurch war es möglich, sich auf ein nötiges Minimum an Verkehrsdaten zu einigen, das in jedem transnational ausgetauschten Datensatz enthalten sein wird. Die Diskussionspartner kamen überein, dass die Einrichtung unparteiischer nationaler Stellen und nationaler Zugangspunkte bis Ende des Jahres 2015 möglich und auch realistisch sei. Eine wichtige Rolle bei der Festlegung der technischen und gesetzlichen Voraussetzungen für deren Betrieb wird das Projekt CROCODILE spielen.

Der dritte Workshop widmete sich strategischen Themen. Im Mittelpunkt stand die Entwicklung einer Roadmap für die Umsetzung von IVS-Lösungen im Donauraum. Die Priorisierung von IVS-Umsetzungsmaßnahmen und die Abstimmung der F&E-Initiativen spielen neben der Erörterung möglicher Anknüpfungspunkte an Förderinstrumente eine wichtige Rolle. Von besonderer Bedeutung wird es sein den Bedürfnissen aller beteiligten Länder und Regionen gerecht zu werden. Die TeilnehmerInnen nutzten den Workshop, um in einem ersten Schritt die Themen zu definieren, die in die Roadmap einfließen können. Der Wissensaustausch stand dabei an erster Stelle, ebenso stimmten alle TeilnehmerInnen darüber überein, dass ein Fokus auf das gesamte Infrastrukturnetzwerk notwendig ist und eine Übereinkunft über ein Minimum an Service-Qualität geschaffen werden muss. In weiterer Folge werden auf Basis der Ergebnisse des Workshops priorisierte IVS-Umsetzungsmaßnahmen für die Donauregion erarbeitet und mit den IVS Experten in den Ländern abgestimmt.

Die am ersten Konferenztag vorgestellten nationalen Lösungen wie die VAO, das ungarische System KIRA oder die tschechische Lösung viaRODOS zeigten, dass national einheitliche Systeme keine Utopie mehr, sondern greifbare Realität sind. Diese Erkenntnis diente zugleich als Basis für den zweiten Tag, der sich erfolgreich mit der Integration solcher nationalen Lösungen auf europäischer Ebene befasste. Die Ergebnisse der Workshops sind vielversprechend und weisen den Weg in Richtung eines vernetzten und barrierefreien Europas.